Rückkehr im Gespräch: Was Salih Özcan dem FC-Mittelfeld taktisch bieten könnte
Alle Jahre wieder wird in den Transferphasen des 1. FC Köln mit Rückkehrern geliebäugelt. In diesem Sommer betrifft dies Salih Özcan. Nach einer starken Saison 2021/22 unter Steffen Baumgart, die im Einzug in die Conference League gipfelte, zog es den Mittelfeldabräumer per Ausstiegsklausel für 5 Millionen Euro zu Borussia Dortmund. Nach einer sportlich eher mäßig erfolgreichen Leihe zum VfL Wolfsburg steht nun jedoch der ablösefreie Abschied aus dem Ruhrgebiet an. Hatte Özcan in der Rückrunde 21/22 noch durch seine Entscheidung für die türkische Nationalmannschaft von sich reden gemacht, konnte er die hohen Erwartungen beim BVB letztlich nicht ganz erfüllen. Unter dem Strich standen am Ende 96 Pflichtspiele mit zwei Vorlagen für Dortmund sowie zwölf Einsätze und eine Vorlage für Wolfsburg.
Die Baustelle vor der Abwehr
Dass der FC sich im Mittelfeldzentrum verstärken möchte, war schon länger bekannt – unabhängig von einem Abgang Eric Martels. Martels ablösefreier Wechsel in Richtung Mainz verkompliziert die Situation nun allerdings: War man bisher vor allem auf der Suche nach einem kreativen Impulsgeber, wird jetzt zusätzlich ein neuer defensiver Anker benötigt.
Ob Salih Özcan diese Rolle wieder mit der Qualität seiner besten Kölner Zeit ausfüllen kann, lässt sich anhand der abgelaufene Saison kaum beantworten. Gerade einmal 73 Bundesligaminuten sind für kein statistisches Modell ausreichend, genauso wenig für aussagekräftige Beobachtungen auf dem Platz.
Der Datenvergleich: Das Erbe von Eric Martel
Für eine fundierte Analyse müssen wir daher eine Saison weiter zurückblicken, in die Spielzeit 2024/25. Nach einer unglücklichen Wolfsburg-Leihe und der vorzeitigen Rückkehr zum BVB wegen dortiger Personalnot kam Özcan über die gesamte Saison gesehen nur auf 732 Minuten Bundesligafußball.
Trotz der geringen Spielzeit zeigen die Daten im direkten Vergleich mit Eric Martel (Saison 2025/26) klare Parallelen und Unterschiede:
Gegen den Ball bringt Özcan absolute Qualitäten mit. Er gewann in jener Saison starke 55 Prozent seiner Zweikämpfe am Boden und überzeugte mit 62,5 Prozent gewonnenen Duellen in der Luft. In beiden Kategorien steht er damit statistisch besser da als Martel in der aktuellen Spielzeit – allerdings kam dieser auch auf deutlich mehr Rhythmus. Ein bemerkenswerter Pluspunkt für Özcan: Er kam in der gesamten Saison ohne eine einzige Gelbe Karte aus, während Martel bekanntlich deutlich kartenanfälliger agierte.
Taktische Grenzen im Spielaufbau
Die Herausforderung liegt bei beiden Spielern im spielerischen Bereich. Özcan fiel in der Saison 24/25 durch eine unterdurchschnittliche Passquote von 78,4 Prozent auf. Ähnlich wie zuvor bei Martel müsste man ihm im Kölner System also zwingend einen kreativen Part an die Seite stellen. Selbst in seiner Kölner Prime-Saison 21/22 erreichte Özcan nur 5,55 progressive Pässe/90 Minuten.

Özcans statistisches Profil aus der Saison 21/22
Ein wichtiges Upgrade zu Martel bringt er jedoch mit: Passstärke bei langen Bällen. Während von Martel in der aktuellen Saison nur 39 Prozent der langen Bälle ankamen, verbuchte Özcan in seiner starken Kölner Saison immerhin 52 Prozent. Seine fußballerisch effizienteste Phase legte er übrigens in seinem ersten Dortmunder Jahr (22/23) hin, als er neben einer starken Defensivarbeit auf 92 Prozent angekommene Kurzpässe und 62 Prozent erfolgreiche lange Bälle kam. Das Potenzial ist also vorhanden.

Martels statistisches Profil aus der Saison 25/26
Fazit: Defensivstark, aber ohne Rhythmus
Was bleibt also als Fazit? Sportlich würde der FC mit Salih Özcan einen defensiv verlässlichen Sechser zurückbekommen, der spielerisch zwar gewisse Limitationen mitbringt, aber genau die nötige Robustheit garantiert. Ein großer Vorteil bei diesem Transfer ist der Faktor Heimat: Özcan kennt den Verein, das Umfeld und den Druck in Köln in- und auswendig, wodurch eine lange Eingewöhnungszeit abseits des Platzes wegfällt.
Das große Aber bleibt jedoch die sportliche Realität. Wenn ein Spieler über zwei Jahre hinweg insgesamt nicht einmal 800 Bundesligaminuten absolviert hat, fehlt schlicht die nötige Wettkampfpraxis. Es ist und bleibt daher ein Risiko, ob Özcan nach so langer Zeit ohne echten Rhythmus sofort die tragende Rolle auf dem Platz übernehmen kann, die man sich am Geißbockheim von ihm verspricht.


