Kaderanalyse: Paul Okon-Engstler – Der Huseinbasic-Ersatz oder doch mehr?
- Daniel Efferoth
- Jul 14
- 3 min read
Nach den Abgängen von Eric Martel und Denis Huseinbasic klafft im Kölner Mittelfeldzentrum eine qualitative Lücke. Dass der 1. FC Köln diese mit einem Neuzugang aus Australien schließen würde, hatten wohl nur die wenigsten auf dem Schirm. Der 21-jährige Paul Okon-Engstler vom Sydney FC soll dem Vernehmen nach diese Woche zum Team dazustoßen.
Der in Europa ausgebildete Mittelfeldspieler kehrte in der vergangenen Saison zurück in seine Heimat, verbleibt dort nun allerdings nur für ein Jahr. Jetzt soll es für ihn am Geißbockheim weitergehen.
Taktisches Profil: Spieleröffnung und linksfüßige Varianz
Bei der Einordnung seiner Leistungen muss natürlich beachtet werden, dass diese in einer Liga stattfanden, die von Opta nicht einmal zu den 30 stärksten Ligen der Welt gezählt wird. Dennoch bringt der junge WM-Teilnehmer ein Profil mit, dessen Ansätze vielversprechend aussehen. Paul Okon-Engstler bringt als spielstarker Sechser oder Achter eine hohe Spielübersicht ins Kölner Zentrum, wodurch er dem Aufbauspiel mit seinen tiefen Pässen weitere Optionen verleiht:
Bälle aus der Tiefe: Okon-Engstler spielt hervorragende Bälle aus der Tiefe auf die Flügel. Diese kommen sowohl als präzise Diagonalbälle als auch als weich dosierte Chip-Bälle hinter die gegnerische Abwehrkette beim Adressaten an. Unter anderem musste die Türkei diese schmerzhafte Erfahrung bei der Weltmeisterschaft machen, als er ein Tor auf diese Weise vorbereitete.
Signature Move im Aufbau: Seine Ballverarbeitung folgt einem festen Muster: Nach der Ballannahme legt er sich den Ball bevorzugt mit dem linken Außenrist nach außen, um sich sofort mit dem Blick nach vorne für den vertikalen Pass zu positionieren. Er führt den Ball fast ausschließlich mit dem linken Fuß, wobei er besonders häufig die Sohle und den Außenrist nutzt.
Progressives Verhalten bei Freiräumen: Gibt der Gegner ihm im Aufbau keinen Druck, sucht er konsequent den vertikalen Pass. Dies unterscheidet ihn deutlich von z.B. Eric Martel, der trotz Zeit und Raum den Ball eher zur Seite oder zurückgespielt oder so lange gewartet hat, bis die Gelegenheit für einen progressiven Spielvortrag verstrichen war.
Präsenz unter Druck: Wird er direkt angelaufen und unter Druck gesetzt, ist er darauf bedacht, den Ball schnell und sicher wieder loszuwerden. Dennoch versteht er es, gegnerische Spieler situativ mit einer geschickten Körpertäuschung aussteigen zu lassen.
Clevere Zweikampfführung: Im direkten Duell gegen den Ball weiß er seine Körperstatur funktionell einzusetzen. Er nutzt seine langen Beine gezielt sowohl für die aktive Balleroberung als auch im direkten Zweikampf, um sich Reichweitenvorteile zu verschaffen und gegnerische Offensivaktionen frühzeitig zu unterbinden.
Ähnlichkeit mit einem Neuzugang der vergangenen Saison: In seinen Bewegungsabläufen und seinem gesamten Spielstil weist er eine große Ähnlichkeit zu Ísak Jóhannesson auf. Da sich Okon aber auch in tieferen Räumen wohl fühlt, können beide auch durchaus gemeinsam auf dem Platz stehen.

Statistisches Profil: Vertiefte Datenanalyse
Die statistischen Leistungswerte untermauern die beobachteten Stärken im Spielaufbau, zeigen jedoch auch die defensiven bereits vorhandenen defensiven Stärken, jedoch legen diese ebenfalls seine fehlende offensive Durchschlagskraft offen:
Außergewöhnliche Progressivität: In den Daten stechen seine Werte im Bereich der Progressivität durchgehend heraus. Die Metriken beschreiben das Profil eines Ballschleppers, der das Spiel mit seinen Zuspielen gezielt beschleunigt und für einen schnellen Übergang vom letzten ins erste Drittel sorgen möchte. Dies gelingt ihm sowohl mit eigenen Pässen als auch mit Läufen mit Ball am Fuß.
Hohe Passpräzision: Okon-Engstler verzeichnet gerade bei kurzen und mittellangen Pässen eine sehr gute Passquote. Dazu kommen seine bereits beschriebenen präzisen langen Bälle.
Solide Zweikampfwerte: Seine defensiven Werte im direkten Zweikampf sind gut, bei der Bewertung muss man aber natürlich auch die Qualität seiner Gegenspieler mit einbeziehen. Seine Spielweise ist intensiv, ohne übermäßig hart zu sein, was sich auch in seiner Kartenstatistik niederschlägt: In der abgelaufenen Saison in Australien sah er nur drei Gelbe Karten.
Fehlende Torgefahr: Statistisch geht von ihm derzeit kaum Gefahr aus. Weder als Torschütze noch als Vorlagengeber taucht er regelmäßig in den Scorerlisten auf. In seinen 25 Einsätzen für den Sydney FC in der A-League Men verbuchte er kein einziges Tor und nur zwei Vorlagen
Fazit: Geringes Risiko mit hohem Entwicklungspotenzial
Paul Okon-Engstler bringt alle Anlagen mit, um den von Denis Huseinbasic freigewordenen Kaderplatz im Mittelfeldzentrum zu besetzen. Aufgrund der Ähnlichkeit zu Ísak Jóhannesson passt sein Profil hervorragend zum bestehenden Kölner Kader.
Es bleibt abzuwarten, inwiefern sich die zweifellos vorhandenen spielerischen Anlagen nahtlos auf das höhere Tempo und die Physis der Bundesliga übertragen lassen. Mit der nötigen Eingewöhnungszeit kann er das Kölner Spiel jedoch bereichern und womöglich schon in der Vorbereitung für positive Überraschungen sorgen. Bei einer kolportierten Ablösesumme von rund 1 Million Euro geht der FC ein geringes wirtschaftliches Risiko für ein hochinteressantes Profil ein, das bei richtiger Förderung ein deutliches Wertsteigerungspotenzial verspricht.


