Kaderanalyse: Thijs Dallinga – Ein neuer Stürmer für den FC
Zunächst hieß es, dass der 1. FC Köln auf der Suche nach einem weiteren Stürmer als Backup für Ragnar Ache auf eine junge Option zurückgreifen möchte (unter anderem Chido Obi von Manchester United). Fündig geworden ist man jedoch bei jemandem, der schon einiges an Erfahrung mitbringt und eher einen direkten Konkurrenten für Ache darstellt. Eine Entscheidung, die mit Blick auf die Kölner Offensive und das Profil des Auserkorenen absolut nachvollziehbar ist.
Thijs Dallinga soll das Kölner Sturmzentrum verstärken und in der neuen Saison für die nötigen Tore zum Klassenerhalt sorgen. Seine Karriere geriet beim FC Bologna zuletzt ins Stocken – gerade einmal 5 Tore gelang ihm in 54 Serie-A-Spielen. In Toulouse sah das noch ganz anders aus, wo 26 Tore in 69 Spielen in Frankreichs höchster Spielklasse zu Buche standen. Rechnet man seine Torbeteiligungen auf die reine Spielzeit herunter, liest sich seine Bilanz deutlich konstanter: 162 Minuten pro Scorer in der Ligue 1 stehen 177 Minuten pro Scorer in der Serie A gegenüber.
Laufwege & Räume: Freilaufverhalten statt Körpereinsatz
Trotz seiner Körpergröße von 1,90 Metern ist Dallinga kein klassischer Wandspieler, der sich durchgehend im physischen Duell mit den gegnerischen Innenverteidigern aufreibt. Weder im Strafraum noch im Feld sucht er die direkte körperliche Auseinandersetzung.
Clevere Box-Bewegungen: Im Sechzehner agiert er extrem spielintelligent. Meist löst er sich vom ballfernen Innenverteidiger, startet in Richtung des kurzen Pfostens oder stößt genau in die Lücke zwischen den Innenverteidigern. Dabei zieht er den Weg konsequent bis vor das Gehäuse durch, statt sich innerhalb des Strafraums zurückfallen zu lassen.
Kombinationsspiel & Ausweichbewegungen: Im eigenen Ballbesitz kommt er seinen Mitspielern flach entgegen und bindet sich aktiv mit dem Ball am Fuß ein, um sich so von seinen Bewachern zu lösen. Weicht Dallinga auf die Flügel aus, zieht es ihn vorwiegend nach rechts.
Tiefe finden & Abwehr binden: Er deutet immer wieder Läufe hinter die Abwehrkette an. Dadurch drückt er die gegnerische Restverteidigung tief und schafft wertvolle Räume im Halbraum für nachrückende Mitspieler.
Parallelen zu Anthony Modeste: Seine Bewegungsmuster in Ballbesitz ähneln stark denen eines in Köln bestens Bekannten: Anthony Modeste. Auch Dallinga versucht, sich eher über clevere Bewegungen und einen explosiven Antritt in Schussposition zu bringen, anstatt die Duelle über die schiere Physis zu suchen.
Abschlussqualitäten & Effizienz vor dem Tor
Vor dem Tor bringt der Niederländer das komplette Handwerkszeug eines modernen Mittelstürmers mit:
Beidfüßigkeit im 1-gegen-1: Im Abschluss agiert er variabel und verlässlich mit rechts wie links. In direkten Duellen mit dem Torhüter visiert er bevorzugt die lange Ecke an. Durch seine gute Grundgeschwindigkeit wird er auf dem Weg zum Tor nur selten von Verteidiger eingeholt.
Kopfballgefahr über Timing: Trotz seiner Größe erzeugt er Kopfballgefahr nicht über herausragende Sprungkraft, sondern über Timing. In seiner erfolgreichsten Topliga-Saison (23/24) gelangen ihm immerhin 6 Kopfballtore. Auch technische Kabinettstückchen wie Tore per Hacke gehören zu seinem Repertoire.
Verlässlichkeit bei expected Goals: Dallinga gilt nicht als Chancentod. Er performt in nahezu jedem Wettbewerb im Rahmen seiner expected Goals (xG) – er verwandelt statistisch also genau die Anzahl an Chancen, die von ihm zu erwarten ist.
Passspiel & Verhalten gegen den Ball
Im Spiel mit dem Ball ist er durchaus solide, aber auch nicht mehr:
Durchschnittliche Passquote: Mit einer durchschnittlichen Passquote um die 70 % agiert er im Passspiel ordentlich, wenn auch im Ligavergleich durchschnittlich. Nichtsdestotrotz steuert Dallinga in der Regel 4-5 Vorlagen pro Saison bei.
Abspiele mit dem Außenrist: Wenn er auf den linken Flügel ausweicht, nutzt er gerne einen Pass mit dem Außenrist, um Mitspieler in der Tiefe zu bedienen.
Verhalten gegen den Ball: Bei gegnerischem Spielaufbau orientiert sich Dallinga bevorzugt auf die ballferne Seite. Von dort aus lässt er sich entweder direkt fallen oder startet in die Tiefe, um eine vermeintliche Unterzahl des Gegners blitzschnell auszunutzen.

Anthony Modestes statistisches Profil aus seiner letzten Saison für den FC (Quelle: wyscout via Ben Griffs best11 Scouting App)

Fazit: Das richtige Profil für das Kölner Umschaltspiel
Gelingt es dem FC, den Niederländer ans Geißbockheim zu lotsen, gewinnt der Kader einen ernsthaften Konkurrenten für Ragnar Ache – wenngleich er ein anderer Stürmertyp ist. Eine Doppelspitze aus beiden dürfte eher eine Option für die „Brechstange“ sein, wenn in der Schlussphase erzwungenermaßen Wucht im Strafraum benötigt wird.
Dallinga ähnelt in seiner Gesamtausrichtung vielmehr Anthony Modeste. Rückblickend wirkt sein Wechsel nach Italien wie ein großes Missverständnis: Bologna setzt auf ballbesitzorientierten Fußball, während Dallinga in Toulouse in einer zielstrebigen Umschaltmannschaft aufblühte. Da das Kölner Spiel in der vergangenen Saison ebenfalls eher auf Umschaltmomente ausgerichtet war (10 Kontertore gegenüber nur 2 von Bologna), passt Dallinga von seiner Spielanlage her deutlich besser nach Köln. Dieser Transfer könnte sich als Volltreffer erweisen.


