Kaderanalyse: Ellyes Skhiri – Der eigene Nachfolger
- Daniel Efferoth
- Aug 22
- 3 min read
Ellyes Skhiri und der 1. FC Köln – eine Verbindung mit besonderer Geschichte. Unvergessen bleibt Stadionsprecher Michael Trippel, der ihn nach seinem Doppelpack beim 3:0 gegen Eintracht Frankfurt einst als „Der, der zu Köln gehört“ ankündigte. Damals scheiterten die Verhandlungen über eine Vertragsverlängerung. Während man am Geißbockheim glaubte, Skhiri würde sich nach seinen herausragenden Leistungen einem ständigen Champions-League-Teilnehmer anschließen, ging es für den tunesischen Nationalspieler zur Eintracht aus Frankfurt.
Der Abgang schmerzte beide Seiten: Der FC stieg in der Folgesaison ab, und Skhiri konnte seine absolute Topform aus Kölner Tagen im Hessischen nicht durchgehend aufrechterhalten. Nach einem soliden Start in Frankfurt folgte für ihn spätestens nach dem Afrika-Cup 2024 der Leistungsknick. Es stellt sich also die Frage: Kann Skhiri die einst von ihm selbst hinterlassene Lücke wieder füllen?
Erwartungshaltung & Status quo: Der Hype um Skhiri
Die kurze Antwort ist ebenso ernüchternd wie eindeutig: Die Fabelwerte seiner letzten Kölner Saison (22/23) wird er kaum reproduzieren können. Das liegt jedoch weniger daran, dass er in Frankfurt gänzlich gescheitert wäre, sondern daran, dass er den FC auf dem absoluten Höhepunkt seines Schaffens verließ.
Die Benchmark 2022/23: In seiner letzten FC-Saison agierte Skhiri auf einem Level, das eigentlich den Wechsel zu einem internationalen Top-Klub vermuten ließ. In Frankfurt spielte er zwar im Nachgang keineswegs katastrophal – seine Leistungen glichen im ersten Jahr eher seinen "normalen" Kölner Anfangsjahren –, doch für die hochgesteckte Frankfurter Erwartungshaltung war das schlicht nicht überragend genug.
Schwierige Weltmeisterschaft: Auch bei der WM 2026 erwischte er mit der tunesischen Nationalmannschaft ein Turnier zum Vergessen. In einem schwachen Gesamtkollektiv fiel Skhiri unter anderem durch ungewohnte, folgenschwere Ballverluste im Spielaufbau zusätzlich negativ auf.
Laufleistung & Passspiel: Unveränderte Kernkompetenzen
Wer Skhiri rein auf seine Leistungskrise reduziert, übersieht, dass er grundlegende Qualitäten aus seiner ersten Kölner Zeit konservieren konnte:
Laufwunder der Liga: Skhiri gehört nach wie vor zu den laufstärksten Akteuren der gesamten Bundesliga. Sein Aktionsradius und seine Grasfresser-Qualitäten sind weiterhin vorhanden.
Stabile Passwerte: Seine Kennzahlen bei progressiven Pässen blieben mit rund 6 Pässen pro 90 Minuten auf einem stabilen Niveau. Auch seine Passquote bewegt sich mit circa 88 % im gewohnten Bereich. Bei langen und hohen Bällen zeigte er ebenfalls die gewohnte Präzision.
Torgefahr & Strafraumpräsenz: Der Verlust des Gespürs
Während Pass- und Laufwerte stabil blieben, ging Skhiri eine seiner stärksten Kölner Facetten in den letzten drei Jahren nahezu komplett abhanden:
Eingebrochener Scoring-Output: Erzielte Skhiri für den FC noch beeindruckende 17 Bundesliga-Tore, stehen aus seinen drei Jahren in Frankfurt mickrige 3 Treffer zu Buche.
Fehlende Abschlusssituationen: In Frankfurt kam er deutlich seltener in eigene Abschlusspositionen. Zudem wurde er bei eigenen Standards nicht mehr wie in Köln als Einläufer am langen Pfosten in Szene gesetzt.
Defensivverhalten & Zweikampfstatistik: Systemopfer oder Formkrise?
Der Blick auf Skhiris Defensivwerte offenbart ein deutliches Gefälle, das bei der Analyse der Vorbereitungsphase des FC durchaus Fragen aufwirft:
Rückgang defensiver Aktionen: Während Skhiri in seiner besten Kölner Saison stolze 13,25 defensive Aktionen pro 90 Minuten verzeichnete, sank dieser Wert in seiner letzten Frankfurter Saison auf 7,12.
Andere Rollenverteilung: Hierbei darf nicht unterschätzt werden, dass die Eintracht deutlich offensiver ausgerichtet war als der FC. Skhiri agierte phasenweise wesentlich höher im Raum (vor allem rechts), wodurch er seltener in tiefen Absicherungszonen gefordert war.
Antizipation statt Zweikampf: Skhiri war auch in Köln nie der physisch kompromisslose Zweikämpfer, sondern glänzte durch ein hervorragendes Stellungsspiel und clevere Antizipation, um Pässe abzufangen, bevor Duelle entstanden. Für die physischen Duelle waren Nebenmänner wie Salih Özcan oder Eric Martel zuständig – eine Rolle, die beim FC künftig Tom Krauß übernehmen kann.
Taktische Flexibilität: Türöffner für Ísak Jóhannesson
Ein Transfer Skhiris birgt im von René Wagner favorisierten 4-2-3-1-System auch für seine Mitspieler interessante Synergien:
Freiraum für Jóhannesson: Mit Skhiri als erfahrener Absicherung auf der Sechs wird für Ísak Jóhannesson der Weg eine Position weiter nach vorne frei. Die Zehner- oder Achter-Rolle dürfte dem Isländer deutlich besser liegen als die tiefe Aufbaurolle seiner Debütsaison.
Variabilität mit Mikey Moore: Selbst wenn mit Mikey Moore ein namhafter Konkurrent für die Zentrale verpflichtet werden sollte, kann Moore problemlos auf die rechte Außenbahn ausweichen, um Platz für Jóhannesson im Zentrum zu schaffen.

Fazit: Emotionaler Coup mit kleinen Fragezeichen
Dass ausgerechnet Ellyes Skhiri die Lücke schließt, die er einst selbst hinterlassen hat, ist eine schöne Geschichte für das Kölner Fanherz. Ob seine durchwachsenen Vorstellungen in Frankfurt primär dem schwankenden Eintracht-Gefüge und einer unpassenden Rolle geschuldet waren oder einem echten Leistungsabfall, wird die Saison zeigen.
Ein vertrautes Umfeld, eine klar definierte Staubsauger-Rolle vor der Abwehr und der Kredit bei den Fans bieten Skhiri eine Basis, um wieder zu alter Stärke zurückzufinden – selbst wenn die Fabel-Saison 22/23 nicht der Maßstab sein darf. Entscheidend wird sein, wie schnell der 31-Jährige nach vier Wochen Einzeltraining und Training mit der U21 wieder seinen gewohnten Spielrhythmus findet.


