Mit Ilzer zur Spitzenmannschaft? Die TSG 1899 Hoffenheim im Check
Am 1. Spieltag geht es für den FC direkt mal knackig los. Die Kölner empfangen den Vorjahres 5. Aus Hoffenheim und sind dabei direkt einem echten Härtetest ausgesetzt. Die Hoffenheimer kommen nach dem dominanten Auftritt im DFB-Pokal derweil mit ordentlich Selbstvertrauen nach Köln
Überzeugender Pokalauftritt nach durchwachsener Vorbereitung
Im DFB-Pokal konnte sich die TSG Hoffenheim noch souverän gegen den Regionalliga-Nordost-Vertreter mit 4:0 durchsetzen. In Köln hat Christian Ilzer bereits angekündigt, dass die Mannschaft an die vergangene Saison anknüpfen möchte. Allerdings legte er in der Pressekonferenz vor dem ersten Spieltag explizit Wert darauf, dass man sich von der letzten Saison nichts kaufen könne und der größte Gegner der Spieler in sich selbst sei. Mit dem Weiterkommen im DFB-Pokal konnte die TSG an eine eher gemischte Vorbereitung anknüpfen. Nach Siegen gegen Heilbronn-Freiberg, Massenbachhausen, Fürth, Holstein Kiel und den KSC folgten Niederlagen gegen Gladbach und Tottenham Hotspur sowie ein Unentschieden ebenfalls gegen Tottenham.
Was Hoffenheim in der neuen Saison vorhat
Man hört aus der PK von Ilzer heraus: Hoffenheim möchte weiterhin eklig sein, über eine große Bereitschaft kommen und an die Tugenden der vergangenen Saison anknüpfen. Bereits in der letzten Saison waren die Hoffenheimer die laufstärkste Mannschaft und auch die intensiven Läufe führten die Kraichgauer an – wie übrigens auch die meisten Fouls am Gegner. Die Hoffenheimer auf Kämpfen, Kratzen, Beißen zu reduzieren, würde diesen jedoch nicht ansatzweise gerecht werden.
Herausragende Entwicklung nach schwierigem Start für Christian Ilzer
Seit Ilzers Amtsübernahme hat sich die TSG auch spielerisch zu einer der besten Mannschaften der Liga entwickelt. Ilzer übernahm im November 2024 und konnte die Saison nicht besonders überzeugend zu Ende bringen. Gerade mal ein Schnitt von 0,96 Punkten/Spiel und ein erschreckender 15. Platz standen am Ende der Saison 24/25 für den aus Graz gekommenen Meistertrainer zu Buche.
Doch wie gelang der Turnaround mit einem Trainer, der für einige Experten einer der Favoriten auf die erste Trainerentlassung war? Zunächst einmal mit einer sehr starken Transferphase im Sommer 2025, in der spezifisch nach Spielerprofilen geschaut wurde, die dem Ilzer-Fußball entsprechen. Da wäre einerseits die neue Mittelfeldachse um Leon Avdullahu und Wouter Burger, die für 8 bzw. 4 Mio. € aus dem Ausland in den Kraichgau wechselten. Aber auch der Ex-Kölner Tim Lemperle, der sich vor allem über seine Stärken gegen den Ball auszeichnet. Ebenfalls wurden ablösefrei erfahrene Spieler wie Bernardo und Coufal dazugeholt, die aber zur Erfahrung auch die passende Qualität mitbrachten. Und dabei, und das ist eigentlich die größte Überraschung bei der TSG Hoffenheim, wurde tatsächlich mal mehr Geld eingenommen als ausgegeben.
Diesen Sommer steht bei den Hoffenheimern ebenfalls wieder ein Transferplus, dieses geht aber natürlich hauptsächlich auf Bazoumana Tourés Abgang nach England für 50 Mio. € zurück. Auf der Zugangsseite wurde der Kader vor allem verjüngt. Mit de Cat, Daghim, Rots und Lenz gab es vier U21-Zugänge im zweistelligen Millionenbereich. Ergänzt wurde der Kader ebenfalls mit Patrick Wimmer, der aus Wolfsburg nach Hoffenheim für 10 Mio. € wechselte.
Auf dem Platz: Breit im Ballbesitz, aggressiv gegen den Ball
Ilzers Hoffenheimer agieren auf dem Platz sehr flexibel. Die Grundformation ist in der Regel am Gegner ausgerichtet. So kam es in der Saison zu allerlei unterschiedlichen Formationen. Sei es mit der 3er oder 4er Kette. Mal ein Stürmer, mal zwei, mal mit 10, mal ohne. Auch die Raute wurde von Ilzer in Hoffenheim aktiv genutzt. Gerade wenn Hoffenheim mit der 4er Kette beginnt, versuchen sie, das Spiel extrem breit zu machen. In der letzten Saison war dabei Neuzugang Coufal einer der wichtigsten Spieler, und auch auf der anderen Seite wurde mit Mats Rots nun ein Spieler verpflichtet, der sich gerne in der Offensive einschaltet und damit Coufal optimal ergänzt.

Unabhängig davon, ob Hoffenheim mit 3er oder 4er Kette startet, wird der Spielaufbau von zwei Innenverteidigern betrieben. Startet Hoffenheim mit einer 3er Kette, schiebt zumeist der linke IV in die Breite und der linke Schienenspieler schiebt etwas höher. Mit viel Tiefe werden dann die gegnerischen Abwehrreihen attackiert. Allerdings gelingt es Hoffenheim auch, durchaus geduldig zu sein. Mit über 55 % Ballbesitz hatten sie in der abgelaufenen Saison den vierthöchsten Wert.
Attackiert Hoffenheim die Tiefe, rückt die gesamte Mannschaft nach, um direkt ins Gegenpressing zu kommen – nur die Bayern verzeichneten mehr Balleroberungen im gegnerischen Drittel als die Hoffenheimer. Dazu ließ Hoffenheim die viertwenigsten Schüsse pro Spiel zu. Sie waren also trotz des hohen Pressings durchaus erfolgreich darin, den Gegner vom Tor fernzuhalten. Auch wenn sie dafür gerne auf das ein oder andere Foul zurückgreifen und dafür gelbe Karten in Kauf nehmen. Wir können uns also nach Balleroberung auf das ein oder andere taktische Foul einstellen.
Personal: Gesperrter Ex-Kölner und angeschlagener FC-Schreck
Grundsätzlich fallen mit Asllani (verletzt) und Lemperle (gesperrt) die beiden Stammstürmer der vergangenen Saison für das Spiel in Müngersdorf aus. Genauso fehlt der in der letzten Saison erstarkte Alex Prass. Dafür schafft es Köln-Schreck Andrej Kramaric wohl zumindest in den Kader. Dem Kroaten gelangen in 16 Spielen 12 Scorer gegen den FC. Trainer Ilzer wollte jedoch nicht verraten, ob der junge Max Moerstedt von Beginn an im Sturm starten wird. Wahrscheinlich ist jedoch, dass zumindest Adam Hlozek den Sturm besetzen wird. Auch ansonsten gehe ich davon aus, dass die gleiche 11 auf dem Rasen stehen wird wie zuletzt im DFB-Pokal.

Wie Ilzer über den FC denkt
Dem FC bescheinigt Ilzer einen klaren Plan, vor allem im Umschalten. Schließlich kassierte die TSG so auch das 2:2 im Rückspiel der vergangenen Saison. Darüber hinaus freut sich Ilzer auf El Mala, dem es aus seiner Sicht gelungen ist, sich nicht von den Medien treiben zu lassen, sondern die für sich beste Entscheidung zu treffen. Man dürfe den FC allerdings nicht nur auf einen Spieler reduzieren – vor allem nicht bei Spielen in Köln mit dieser Stimmung im Rücken.
Fazit: Auf den FC kommt im ersten Spiel direkt mal ein richtiger Härtetest zu. Ilzer gelang es, mit dem für ihn passenden Personal aus der TSG eine Pressingmaschine zu machen, die jedem Gegner extrem wehtun kann. Von Vorteil werden mit Sicherheit die offensiven Ausfälle bei der TSG sein. Trotzdem verfügt der Kader über genügend Qualität, um Tore zu erzielen. Ragnar Ache könnte für den FC ganz entscheidend werden, um lange Bälle festzumachen und sich aus dem Pressing der Hoffenheimer zu befreien. Auch auf Tom Krauß wird es ankommen, um Räume wieder schnell zu schließen – gerade nach Kölner Ballverlusten. Es wird außerdem interessant sein zu sehen, ob es Ilzers Mannschaft gelingt, diesmal im Kollektiv zu stoppen, oder ob dem jungen Dribbler das nächste Tor gegen den Vorjahresfünften gelingt. Zu wünschen wäre es uns allen, dass Ilzer weiter etwas ratlos bleibt.