Jose Marsà - Der gesuchte Linksfuß oder das nächste Missverständnis?
Obwohl ab dem 1. Juli nominell bereits sechs Innenverteidiger im Kölner Kader stehen, sondiert die sportliche Leitung um Thomas Kessler intensiv den Markt nach einer weiteren Alternative. Das klare Anforderungsprofil: Ein gelernter Linksfuß für das Abwehrzentrum. Ins Visier ist dabei der 24-jährige Spanier Jose Marsà geraten, der aktuell beim belgischen Erstligisten KV Mechelen unter Vertrag steht.
Nach überzeugenden Leistungen in der zweiten spanischen Liga wagte Marsà den nächsten Schritt nach Belgien. Bei Mechelen bekleidete er in den vergangenen zwei Spielzeiten vor allem die Position des linken Innenverteidigers in einer Dreierkette, drängte bei temporären Systemumstellungen aber auch als linker Schienenspieler nach vorne, was für eine gewisse Flexibilität spricht. Mit einer Körpergröße zwischen 1,83 und 1,85 Metern (die Angaben variieren je nach Quelle), gehört er nicht zu den größten seiner Zunft. Allerdings gilt er allgemein durchaus als spielstark. Bei vielen Kölner Fans weckt diese Konstellation jedoch unweigerlich Erinnerungen an einen gewissen Jorge Meré, der im Sommer 2018 für 7 Millionen Euro aus Spanien ans Geißbockheim wechselte und die in ihn gesteckten Erwartungen während seiner Zeit in Köln nur selten erfüllen konnte.
Taktisches Profil: La-Masia-Spielstärke vs. defensive Instabilität
Durch seine Ausbildung in der legendären Talentschmiede La Masia des FC Barcelona bringt Marsà ein tiefes spielerisches Verständnis mit, das sich vor allem in seiner mutigen, progressiven Ausrichtung zeigt:
Progressive Spieleröffnung: Marsà agiert auf dem Platz außergewöhnlich progressiv. Er versucht sich auffallend oft an linienbrechenden Pässen, um das Spiel des eigenen Teams zu beschleunigen und den Ball schnell nach vorne zu befördern. Dies hat er in den vergangenen beiden Saisons unter Beweis gestellt.
Mängel im direkten Duell: Im klassischen Abwehrverhalten gibt sich Marsà zwar durchaus clever, offenbart jedoch Schwächen in der reinen Zweikampfhärte. Zudem fällt ihm das Kopfballspiel schwer, wobei er hier naturgemäß den Nachteil seiner Körpergröße spürt.
Datencheck: Risikoreiche Streuung und statistische Anfälligkeit
Ein Blick auf die datenbasierten Leistungswerte der abgelaufenen Saison untermauert die Zweifel an seiner Tauglichkeit als defensiver Stabilisator:
Abfallende Passquote: Seine bereits durchwachsene Passquote von 81,9 Prozent aus der Saison 24/25 unterbot Marsà in der abgelaufenen Spielzeit nochmals. In dieser kamen nicht einmal mehr 80 Prozent der Pässe an den Mann - ein Wert, der für eine gesuchte Qualität im Spielaufbau zu fehleranfällig ist.
Zweikampfwerte: Im direkten Duell gewinnt er auch nur 60 Prozent seiner Zweikämpfe, was für die Bundesliga noch deutliche Luft nach oben lässt.
Systemische xGA-Anfälligkeit: Der KV Mechelen kassierte zwar real nicht die meisten Tore, war allerdings nach Expected Goals against (xGA) mit Abstand Letzter in der Belgian Pro League. Die Daten zeigen hierbei eine statistische Auffälligkeit: Wenn Marsà auf dem Platz stand, wären rechnerisch sechs Gegentore mehr erwartet gewesen, als Mechelen tatsächlich kassiert hat.

statistisches Profil Jose Marsà 25/26
Fazit: Finanziell machbar, aber strategisch ein Widerspruch
Ob Jose Marsà wirklich der Linksfuß ist, nach dem der 1. FC Köln derzeit fahndet, muss aus meiner
Sicht stark infrage gestellt werden. Selbst bei einer kolportierten, moderaten Ablösesumme von rund 1,5 Millionen Euro bringt der Spanier wenig mit, was aktiv die Schwachstellen der vergangenen Saison angeht.
Weder liefert er im Spielaufbau die geforderte Qualität, noch bringt er die nötige Robustheit mit, um die Abwehr spürbar zu stabilisieren. Da die Kölner Hintermannschaft ohnehin unter einer eklatanten Anfälligkeit bei gegnerischen Standardsituationen leidet, wäre die Verpflichtung eines derart kopfballschwachen Innenverteidigers ein strategischer Widerspruch.


